Forschung

Spuren von Geparden im Nordwesten Namibias erforschen

  • von Ruusa Uugwanga August 3, 2026
Spuren von Geparden im Nordwesten Namibias erforschen

Feldarbeit im Naturschutz ist oft mit Unsicherheiten verbunden. Manche Tage belohnen mit spannenden Entdeckungen, andere stellen Geduld und Anpassungsfähigkeit auf die Probe, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Unsere Reise durch die kommunalen Naturschutzgebiete Otjikondavirongo, Anabeb, Sesfontein und Ozondundu hatte zum Ziel, Markierungsstellen von Geparden zu finden und Kotproben für genetische Untersuchungen zu sammeln. Obwohl die Reise mit hohen Erwartungen und einigen Herausforderungen begann, endete sie mit wertvollen Erkenntnissen, neuen Partnerschaften und Erfahrungen, die zukünftige Untersuchungen prägen werden.

Unsere Ankunft im ersten Naturschutzgebiet war schon für sich genommen ein unvergessliches Erlebnis. Nach einem langen Tag auf der Straße erreichten wir das Gebiet viel später als geplant. Die Orientierung gestaltete sich etwas schwierig, da wir auf unbekannten Straßen unterwegs waren und uns nur telefonische Anweisungen geben konnten. Google Maps war in dieser abgelegenen Gegend nicht sehr zuverlässig, und der Mobilfunkempfang war eingeschränkt, sodass wir nicht zurückrufen und unseren Standort bestätigen konnten, als wir unsicher wurden. Trotz dieser Schwierigkeiten fanden wir schließlich den Weg. Als wir ankamen, war es bereits dunkel, aber wir wurden vom Vorsitzenden des Naturschutzgebiets herzlich empfangen, bevor wir unser Lager inmitten der rauen Natur aufschlugen.

Das Team bestand aus Dr. Tim Hofmann und mir, begleitet von unserem Spürhund Gamena. Unterwegs durchquerten wir einige der beeindruckendsten Landschaften Namibias. Schroffe Berge, ausgetrocknete Flussbetten und weite Ebenen erstreckten sich bis zum Horizont und schufen eine Landschaft von rauer und zugleich wunderschöner Schönheit. Trotz der Trockenheit beherbergte die Region eine reiche Tierwelt, und während unserer Reise stießen wir auf Spuren von Braunhyänen, Schakalen, Leoparden und sogar Löwen sowie zahlreicher anderer Tierarten, die in diesem einzigartigen Lebensraum beheimatet sind.

Unsere Untersuchungen konzentrierten sich auf die Lokalisierung potenzieller Markierungsplätze von Geparden, markante Landschaftsmerkmale wie große Bäume und erhöhte Aussichtspunkte, die Geparden zur Kommunikation mit Artgenossen durch Duftmarken nutzen. Gemeinsam mit den Wildhütern des Naturschutzgebiets, deren umfassende Ortskenntnisse sich als unschätzbar wertvoll erwiesen, suchten wir diese Orte sorgfältig nach Fährten, Kot und anderen Anzeichen von Gepardenaktivität ab. Nach stundenlanger, erfolgloser Suche herrschte Unsicherheit, da wir mit hohen Erwartungen angereist waren und nun kaum Hinweise auf Gepardenaktivität gefunden hatten. Obwohl dies im ersten Moment frustrierend war, verdeutlichte die Erfahrung die Wichtigkeit klarer Kommunikation und sorgfältiger Abklärung bei der Planung zukünftiger Untersuchungen.

Im Verlauf der Reise rissen die Herausforderungen nicht ab. Auf einer Fahrt zwischen zwei Untersuchungsgebieten hielten wir an, um Gamena aus dem Auto zu lassen, nachdem sie unaufhörlich gejammert hatte. Was wie ein routinemäßiger Stopp aussah, entpuppte sich schnell als Problem: Wir hatten einen platten Reifen. Im Nachhinein betrachtet hat uns ihr rechtzeitiges Eingreifen wohl vor einem viel größeren Ärgernis bewahrt. Nachdem wir den Reifen gewechselt hatten, fuhren wir weiter zur Tankstelle in Palmwag, nur um festzustellen, dass diese bereits geschlossen hatte. Nach den Unannehmlichkeiten mit dem Reifen fühlte sich das wie ein weiterer Rückschlag an. Da für den nächsten Morgen Feldarbeit geplant war, brauchten wir dringend Benzin.

Glücklicherweise kam uns ein freundlicher Polizist, der an einer nahegelegenen Veterinärkontrollstelle stationiert war, zu Hilfe. Constable Limbo sprach in unserem Namen mit dem Tankwart, und nach kurzer Absprache konnten wir Diesel tanken. Was als frustrierender Abend begonnen hatte, endete mit neuem Optimismus, als wir ins Camp zurückkehrten, im Wissen, dass wir unsere Untersuchungen am nächsten Tag fortsetzen konnten.

Der unvergesslichste und lohnendste Teil der Reise war das Ozondundu-Schutzgebiet. Dort identifizierten wir sechs bestätigte Markierungsbäume, einen potenziellen Markierungsbaum und sammelten 22 mutmaßliche Gepardenkotproben. Die Begeisterung über die endlich gefundenen aktiven Markierungsstellen entschädigte für jede Anstrengung. Selbst ein drei Kilometer langer Fußmarsch durch felsiges Gelände und dichte Vegetation fühlte sich mühelos an. Das Gelände, das an einem erfolglosen Tag anstrengend gewesen wäre, erschien uns plötzlich leicht, da jeder Schritt die Möglichkeit einer weiteren Entdeckung barg.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Reise war, wie schnell sich die Entschlossenheit im Gelände verändern kann. Stundenlanges Suchen ohne Spuren von Geparden kann entmutigend sein, doch die Entdeckung einer einzigen Markierungsstelle sorgte immer für Begeisterung im Team. Die Energie stieg, die Motivation kehrte zurück und die Suche wurde wieder spannend. Der Erfolg in Ozondundu erinnerte uns daran, warum Geduld und Ausdauer so wichtig für den Naturschutz sind. Die Reise brachte uns nicht nur Kotproben, sondern verbesserte auch unsere praktischen Fähigkeiten, darunter das Klettern auf Bäume, um Kotproben zu sammeln. Dabei stellte ich fest, dass meine Höhenangst nicht so einschränkend war, wie ich einst dachte. Lange Tage im Gelände verbesserten meine Fitness, und trotz der Hitze und der anstrengenden Bedingungen gab ich nicht auf. Als einzige Frau im Team war ich fest entschlossen, mit den anderen mitzuhalten und mich gleichermaßen einzubringen. Rückblickend bin ich stolz auf das Erreichte und dankbar für die Möglichkeit, mich beruflich und persönlich weiterzuentwickeln.

Neben den eigentlichen Erhebungen war vor allem die Teamarbeit bemerkenswert. Alle Aufgaben wurden geteilt, vom Zeltaufbau und der Zubereitung der Mahlzeiten bis hin zur Bewältigung schwierigen Geländes und unerwarteter Probleme. Nach langen Tagen im Gelände kehrten wir müde und staubig ins Camp zurück, packten aber dennoch gemeinsam an, um das Abendessen zuzubereiten und uns auf die Aktivitäten des nächsten Tages vorzubereiten. Diese gemeinsamen Erlebnisse stärkten unseren Teamgeist und erleichterten es uns, die Herausforderungen zu meistern. Auch die Wildhüter des Naturschutzgebiets trugen maßgeblich zum Erfolg der Erhebungen bei. Ihre Kenntnisse der Landschaft, der Wildtierwanderungen und der lokalen Gegebenheiten halfen uns, unsere Suche zu lenken und unsere Chancen zu erhöhen, potenzielle Markierungsstellen zu finden. Die während dieser Reise geknüpften Kontakte werden zukünftige Naturschutz- und Forschungsbemühungen in der Region sicherlich unterstützen.

Als meine erste Exkursion mit dem Team übertraf diese Erfahrung meine Erwartungen. Ich lernte nicht nur Techniken zur Kotprobenentnahme, sondern auch Kommunikation, Planung, Problemlösung und die Bedeutung von Durchhaltevermögen. Vor allem aber gewann ich eine tiefere Wertschätzung für die beeindruckenden Landschaften im Nordwesten Namibias und die Menschen, die sich für deren Schutz einsetzen. Nach sechs Tagen kehrten wir zwar müde, aber erfüllt nach Hause zurück. Was mit Enttäuschung begann, entwickelte sich letztendlich zu einer Geschichte von Entdeckungen, Widerstandsfähigkeit und Teamarbeit. Neben wertvollen Proben und neuen Erkenntnissen nahmen wir Erinnerungen mit, die uns noch lange begleiten werden, auch wenn sich der Staub der Reise gelegt hat.

Fotos aufgenommen von: Tim Hofmann

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